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Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl 2026
Energie, Mobilität, Zukunft: Befragung der Bürgermeister-Kandidatinnen und -kandidaten

Am 28. Januar stellten sich die vier Kandidatinnen und Kandidaten für das Vaterstettener Bürgermeisteramt den Fragen der Agenda 21 Arbeitskreise Energiewende und Mobilitätswende: Leonhard Spitzauer (CSU), Maria Wirnitzer (SPD), David Göhler (Grüne) und Sonja Kiran (Freie Wähler).
Beim Thema Mobilität nahmen sie Stellung zu Zukunftsvisionen, zu konkreten Problemstellen in der Gemeinde und zum ÖPNV. Aus dem Publikum gab es u.a. Fragen zur Unterführung der Möschenfelder Straße und zum Radweg nach Purfing.
1. Soll Vaterstetten 2040 in Teilbereichen autofrei sein?
Bei den Positionen zu dieser Auftaktfrage herrschte weitgehende Übereinstimmung. Leonhard Spitzauer sah darin eine Vision, die er sich lediglich für neu geplante Bereiche vorstellen könne. Maria Wirnitzer hielt dies allenfalls möglich bei der Neuplanung des Bahnhofs Vaterstetten oder des Rathausumfeldes. Auch Sonja Kiran konnte sich autofreie Bereiche beim aktuellen Verkehrsaufkommen nicht vorstellen. David Göhler hob die Wichtigkeit von Aufenthaltsqualität hervor, notwendig sei dafür, Tempo rauszunehmen und Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer umzusetzen.
2. Was soll an der derzeitigen Verkehrssituation verändert werden?
Bei dieser Frage nach konkreten Maßnahmen gab es dann ein breiteres Spektrum an Vorstellungen und Positionen.
Maria Wirnitzer hob hervor, dass sich die Maßnahmen angesichts der großen Verkehrsbelastung an den Schwächsten orientieren müssten. Eine Konsequenz sei, dass man nicht mehr überall parken könne. Insbesondere Möschenfelder und Karl-Böhm-Straße müssten für Radfahrer sicherer gemacht werden, etwa mit Fahrradschutzstreifen und Parkverbotszonen. Die hohen polizeibekannten Unfallzahlen in diesen Bereichen würden dies untermauern. In der Bahnhofstraße solle nur noch Kurzzeitparken möglich sein, damit die Fahrbahn weniger eingeengt würde. Für die Nutzung des Bussystems sei eine pünktliche und verlässliche S-Bahn Voraussetzung, immer mehr ältere Menschen seien auf Busse angewiesen.
Sonja Kiran sprach sich dafür aus, den Radverkehr attraktiver zu machen und den Autoverkehr zu steuern. So sollte doch in Homeoffice-Zeiten 1 Familienauto ausreichen.
David Göhler betonte, dass es bei den Verkehrsmitteln nicht um ein Entweder-oder gehe. Alle müssten gut klarkommen und sich sicher fühlen, auch Autofahrer und Fußgänger. Für die Bahnhofstraße sei das Shared Space-Konzept [1] möglich, würde woanders in ähnlichen Situationen gut funktionieren. Das Radverkehrskonzept, das für die Bewerbung als fahrradfreundliche Kommune ausgearbeitet wurde, biete eine gute Ausgangsposition für Verbesserungen. Die Umsetzung sei aber mit der jetzigen Gemeinderatsbesetzung schwierig, die CSU sehe viel Diskussionsbedarf.
Leonhard Spitzauer bestätigte dies: Das Radverkehrskonzept berücksichtige nur die Sicht der Radfahrer, es müssten aber alle Verkehrsteilnehmer gewürdigt werden. Wörtlich: „Das wird nicht so umgesetzt.“ Der limitierende Faktor sei das Geld. Der Radverkehrsanteil sei laut Modal Split-Befragung schon jetzt sehr hoch im Vergleich zu anderen bayerischen Kommunen.
3. Wie wollen Sie diese Problemstellen entschärfen?

Unterführung der Möschenfelder Straße (Kreisstraße): David Göhler nannte als Maßnahme Tempo 30 zu Schulzeiten, das sei auf Antrag der Grünen nun auch beim Kreis beantragt, außerdem seien Fahrradstreifen oder Piktogramme sofort umzusetzen. Sonja Kiran befürwortete begrenzende Leitplanken für den kombinierten Geh- und Radweg. Maria Wirnitzer schlug vor, den Hang teilweise abzutragen und den gemeinsamen Fuß- und Radweg zu verbreitern. Leonhard Spitzauer sah hier die Zuständigkeit beim Kreis.
Für die Maibaum-Kreuzung nannte David Göhler Ampel oder Kreisel als mögliche Maßnahmen, die Kosten solle der Landkreis tragen. Maria Wirnitzer sprach sich ebenfalls dafür aus, die Verkehrssituation hier zu entschärfen. Leonhard Spitzauer sah für diese Kreisstraße keine Zuständigkeit, denkbar sei es, die Einmündung der Fasanenstraße auf zwei Spuren zu verengen und die Gehwege reinzuziehen.
Karl-Böhm-Straße: Maria Wirnitzer und David Göhler mahnten an, dass am Rewe in Baldham der Übergang Alte zur Neuen Poststraße deutlich entschärft werden müsse. Maria Wirnitzer erinnerte daran, dass die untere Straßenbaubehörde Änderungsvorschläge abgelehnt habe.
Für die Bahnhofstraße nannte Maria Wirnitzer das Dauerparken als Problem, es müsse eingeschränkt werden, ebenso in der Alte Poststraße, wo Autofahrer die Radfahrer auf den Fußweg drängten. Leonhard Spitzauer erläuterte, dass man für die Bahnhofstraße eine Einbahnstraßenregelung geprüft habe, die führe aber zu mehr Verkehr vor der Wendelstein-Schule und Schulwegsicherheit habe für ihn Priorität. David Göhler nannte das Shared Space-Konzept als Lösung für die Bahnhofstraße.
Im Altbestand seien an Kreuzungen die Bordsteine oftmals zu hoch, ergänzte Maria Wirnitzer. Auch für Mobilitätseingeschränkte müsse man dieses Problem an etlichen Stellen konsequenter angehen.
4. Was soll beim ÖPNV verändert/verbessert werden?
Weitgehende Übereinstimmung herrschte bei der Einschätzung, dass die erhöhte Taktung beim Bussystem sinnvoll sei, eine Fahrgastzählung bestätige die deutlich zunehmende Nutzung. Sonja Kiran sah hier aber noch Luft nach oben, Lücken in der Bustaktung könnten mit On-Demand-Bussen überbrückt werden. Digitale Anzeigetafeln und Überdachung/Sitze an Bushaltestellen würden die Attraktivität erhöhen. Maria Wirnitzer konnte sich ein On-Demand-System allenfalls in Randzeiten und am Wochenende vorstellen, andere Gemeinden würden es aber wieder abschaffen; der wunderbar funktionierende Seniorenfahrdienst sei auch eine Art On-Demand-System. David Göhler schlug vor, auch autonome Transportsysteme zu prüfen, die zukünftig günstiger sein könnten, eventuell in Zusammenarbeit mit einer Uni, mit Vaterstetten als Modellregion. Er räumte ein, dass die Kosten für den ÖPNV hoch seien, bekräftigte aber: „Das müssen wir uns leisten, das ist für Leute ohne Auto wichtig.“ Leonhard Spitzauer sprach sich hingegen dafür aus, die Kosten für den ÖPNV an den Landkreis zurückzugeben. Maria Wirnitzer wandte ein, dass dies nicht zum Ausdünnen des Busangebotes führen dürfe und ein Mitspracherecht der Gemeinde unabdingbar sei.
Schluss-Statements
David Göhler: Vaterstetten werde für sein Carsharing-System bundesweit bewundert, dafür möchte er werben.
Sonja Kiran: Bei der Mobilität sollten wir unsere Kultur verändern.
Maria Wirnitzer: Wichtig sei mehr Rücksichtnahme, dass alle gemeinsam mitarbeiten, viele bauliche Maßnahmen seien notwendig, 5% Steigerung bei der Radnutzung schaffbar, über die Öffentlichkeitsarbeit solle mehr für den Radverkehr geworben werden.
Leonhard Spitzauer: 98% wären mit Rücksichtnahme zu schaffen, z.B. bei Elterntaxis, auch ohne Mitarbeit im Gemeinderat könne man zum gemeinschaftlichen Leben beitragen.
Vorschläge zu Fragen aus dem Publikum
Einbinden der Gemeindebevölkerung in Verkehrsfragen?
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an den AK Mobilitätswende, die Mobilitäts-Referenten des Gemeinderats oder Gemeinderäte wenden (Maria Wirnitzer)
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zu Sitzungen des Bau- und Straßenausschusses gehen (David Göhler, Maria Wirnitzer)
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für den Gemeinderat aufstellen lassen (Leonhard Spitzauer)
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Publicity beim Bau- und Straßenausschuss verbessern, Verkehrstag/Radfahrtag mit Händlern organisieren, Gemeinde-Homepage verbessern (David Göhler)
Gestaltung der S-Bahn-Umgebung?
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in Baldham Anzahl der Fahrradabstellplätze erhöhen (Sonja Kiran)
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Bahnhofsumfeld in Baldham und Beleuchtung verbessern (Maria Wirnitzer)
Radweg Baldham Dorf – Purfing?
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Gespräche über Realisierung auf der Nordseite sind im Gang, am 9. März werden die vier Varianten erörtert, dann Fördergelder etc. (Leonhard Spitzauer, Maria Wirnitzer, David Göhler)
Busverbindung Vaterstetten – Messe Riem?
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Verbindung gibt es mit Umstieg in Weißenfeld; da keine direkte Straßenverbindung vorhanden ist wäre man mit einer Direktverbindung nicht viel schneller (Sepp Mittermeier, Mobilitätsreferent des Gemeinderats)
Der Arbeitskreis Mobilitätswende dankt den Kandidatinnen und Kandidaten für den informativen Austausch, den zahlreichen Besuchern für ihr Interesse und der VHS für die organisatorische Unterstützung der Veranstaltung.
[1] Mischfläche für alle Verkehrsfunktionen und Aufenthalt, die zur erhöhten Aufmerksamkeit zwingt, ggf. mit geschützten Flächen für Fußgänger.

