"Zukunftslabor" -
Bürger und Bürgerinnen bewerten ihre Gemeinde.

Die Veranstaltung Ende November 1999 haben wir "Zukunftslabor" genannt, da in Zusammenarbeit und Bewertung durch Bürgerinnen und Bürger ein Bild unserer Gemeinde entstand, das uns wertvolle Hinweise auf Aktionslinien unserer zukünftigen gemeinsamen Agenda-Arbeit gibt. Die Bewertungsmethode wurde von Dr. Helmut Volkmann, SIEMENS AG, entwickelt und als ganztägiges Seminar in Vaterstetten durchgeführt.

Kernstück des "Zukunftslabors" war die Bewertung der insgesamt 1024 Details, die in acht Bereiche mit gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und umweltgerechter Relevanz zusammengefasst sind. 40 Bürger und Bürgerinnen aus der Gemeinde Vaterstetten haben die Details im Hinblick auf unser gemeindliches Lebensumfeld bewertet.

Die Thematik der Bereiche und die zu bewertenden Detailangaben erfassen vielfältige Aspekte unseres täglichen Lebens:

1: Humanpotenzial, Kultur und Identität

2: Handlungsfähigkeit und Wertschöpfung der Organisationen und Unternehmen

3: Gesellschaftliche Lebensverhältnisse (Region)

4: Materielle Lebensbasis (Region)

5: Systemgestaltung und Regulation

6: Macht-Verantwortung-Gegenmacht

7: Äußere Konstellation und Globalisierung

8: Gaia, ihre Erhaltung und ihre Bewohner

Pro Bereich wurde eine Gruppe von 4 bis 6 Personen gebildet, die jeweils 64 Detailangaben bearbeitete. Jede Detailangabe besteht aus einem positiven (Aktiva) und einem negativen (Passiva) Teilaspekt, die getrennt bewertet wurden. Durch Diskussion innerhalb der Gruppe wurde die Bewertung abgestimmt, Dissenzen oder extreme Bewertungen wurden protokolliert, um die spätere Auswertung zu erleichtern.

Mit einer Art kaufmännischer Bilanzierung wurde ausgewertet und ein Gesamtindex (WHALEX) ermittelt. Für Vaterstetten lag der WHALEX leicht über dem Durchschnittswert von 1; damit auch etwas höher im Vergleich zu Deutschland oder Bayern, deren WHALEX bereits vorliegt. Um nun Aktionslinien oder Handlungsbedarf abzuleiten, war eine genaue Untersuchung der Bewertungen nötig, einschließlich Überlegungen zu Plausibilität. Dies wurde sehr detailliert von Mitgliedern der Agenda-Arbeitskreise durchgeführt.

 

Bei der Nachleseveranstaltung zum Zukunftslabor am 26. Februar 2000 wurden die Ergebnisse vorgestellt: Dr. Volkmann schilderte die vorangegangene Veranstaltung und beleuchtete die Ergebnisse, Jo Neunert stellte Überlegungen zur Plausibilität der Bewertungen an, und Ute Schneider-Maxon erläuterte die Ermittlung des Handlungsbedarfs.

 

Plausibiltät:

In wenigen Fällen konnten extrem hohe oder niedrige Bewertungen nicht nachvollzogen werden. Für etliche Detailfragen hatte die jeweilige Gruppe laut eigenen Angaben im Protokoll entweder unzureichende Kenntnisse oder mangelnde Information; in diesen Fällen wurde keine Bewertung abgegeben. Insgesamt waren nur etwa 5% der Bewertungen, die aus allen Bereichen kamen, nach objektiven Gesichtspunkten zweifelhaft. Eine von Dr. Volkmann vorgenommene Nachbewertung erbrachte eine minimale Änderung des WHALEX, die als nicht relevant einzustufen ist. Das Bewertungsergebnis gilt somit als plausibel.

 

Handlungsbedarf:

Um gezielte Aktionen oder Handlungsbedarf abzuleiten, wurden die Bewertungen unter die Lupe genommen: Detailangaben deren Bewertungszahl im oberen Drittel liegt, wurden inhaltlich untersucht um Handlungsbedarf zu ermitteln. Die gefundenen Aspekte wurden mit dem Nachhaltigkeitsbericht und dem Aktionsprogramm der Lokalen Agenda verglichen. Es zeigte sich gute Übereinstimmung, viele der Detailfragen sind auch im Nachhaltigkeitsbericht aufgeführt, unser Aktionsprogramm (siehe Nachhaltigkeitsbericht, Ausgabe Oktober 1999) ist in fast allen Punkten durch das Ergebnis des Zukunftslabors bestätigt.

Weitere Aspekte für die Agenda-Arbeit sind eine gesellschaftlich-soziale Komponente und die Zusammenarbeit mit Unternehmen am Ort; diesen Aspekten wird entweder durch die Aufnahme der Thematik in bestehende Arbeitskreise oder durch die Bildung neuer Arbeitskreise Rechnung getragen werden.

Mit dem Ergebnis des Zukunftslabors sind die Mitglieder der Agenda-Arbeitskreise sehr zufrieden. Vielleicht können wir die Veranstaltung in zwei oder drei Jahren wiederholen, unsere Arbeit über die neuerliche Bewertung evaluieren und weitere Erkenntnisse über die Entwicklung unserer Gemeinde gewinnen.

Allen Mitwirkenden nochmals ganz herzlichen Dank!

Ute Schneider-Maxon
Lokale Agenda 21, Vaterstetten.